FRAENKISCHER TAG 12/995
Rezension zu "Elektra"

Elektra

Wir stellen Euch im folgenden, eine junge, eher unbekannte Kuenstlerin vor, die wir bei unseren Reisen zum "Mars", der besonderen Lebensgemeinschaft, die wir Euch in der letzten Ausgabe vorgestellt hatten, kennen gelernt haben. "Gpunkt Finder" steht unter ihren Bildern, die viel ueber die Welt der Emotionen erzaehlen...
Der Kuenstlername Gpunkt Finder ergibt sich einerseits aus der Assoziation auf ihren Geburtsnamen Gesine Finder und hat andererseits die wortwoertliche Bedeutung des Gpunkt Finders, desjenigen, der den "G" Punkt nicht sucht, sondern einfach findet, der, der die Stimulanz der Idee "Leben" einfach sieht, schmeckt, hoert, riecht und fuehlt, der den Orgasmus, wenn er eine Erkenntnis bekommt (man erleuchtet ist) , einfach auf Papier bringt.
Wir haben uns viel Zeit genommen, Gesines Bilder aufmerksam zu betrachten und dabei festgestellt, das in jedem einzelnen ihrer Werke viel Liebe steckt. Sie erzaehlen uns von Einheit und Harmonie - Worte, deren Inhalt oft unerreichbar scheint. In ihnen werden Wege aufgezeigt, fernab konventioneller Loesungsmoeglichkeiten fuer unsere menschlichen, alltaeglichen Probleme, aber auch fuer Lebenssituationen, in denen ein "Ausweg" unmoeglich scheint. Ja, sie weisen fast unverschaemt ehrlich auf die Leichtigkeit des Seins, wenn man Liebe gibt und durch den eigenen Koerper fliessen laesst.
Fuer den aufmerksamen Betrachter oeffnet sich eine Welt, in der alles seinen rechten Platz hat, in der der Zauber der Liebe gefangen ist. Ueberall begegnen uns auf unserer visuellen Reise vertraute Situationen, die wir nicht nur aus unseren Traeumen kennen. Jeder Betrachter wird eine individuelle Art haben, Gpunkt Finders Bilder anzuschauen, zu begreifen und in sich aufzunehmen - Energie wird jedem von ihnen geschenkt!
Gpunkt Finders unglaublich kreativen Kraefte reflektieren sich in ihren vielfaeltigen Bildern. Sie spricht mit ihren Bildern nicht nur unsere Herzen an, sondern regt zum Nachdenken ueber Dinge wie Liebe, Einheit, Leben, Harmonie, Freundschaft und die Ei*Gene Tiefe an, deren Sinn(gehalt) im Alltag haeufig an Bedeutung verliert oder sogar ganz verschwindet.
Der visuelle Spaziergang durch die faszinierende Welt Gpunkt Finders hat uns beruehrt, Energie geschenkt und uns persoenichen zu neuen; kreativen Ideen angeregt.

ich bei Etagenbemalung

Was fuer ein aufregender Theaterabend! Da glaubt man, laengst alles zu wissen ueber Elektra und ihren Anteil am Artriden-Familienblutbad und erfaehrt ploetzlich eine ganz andere Geschichte: eine Vision, die sich in einem nur scheinbar feminitischen Ansatz total auf die drei weiblichen Hauptfiguren konzentriert, letztendlich aber offenbart, dass auch Frauen keineswegs die besseren Maenner sind. Birgit Franz von der Studiobuehne Bayreuth hat mit drei intensiven Darstellerinnen eine Interpretation der "Elektra"-Tragoedie von Hugo von Hofmannsthal herausgebracht, die rezeptionsgeschichtlich das Praedikat "wichtig" verdient.
Erstaunlicherweise sind die direkten Eingrffe und Striche gar nicht so gross. Die Auftaktszene mit den Maegden wird durch filmische Mittel realisiert; Orest ist ebenfalls nur auf der Leinwand praesenz und offenbart sich damit als eine Projektion: Elektra wuenscht sich den raechenden Bruder so sehr herbei, dass sie ihre Traumbilder fuer bare Muenze nimmt. Den Mord an der Mutter (Aegisth bleibt ausgespart) vollbringt sie selbst, geleitet von ihrer Schwester Chrysothemis, die im entscheidenden Moment die mannhaften Worte des herbeiphantasierten Bruders spricht.
Das Mykene, das Ronald Kropf in der Maschinenhalle des Stutiobuehnen-Stammhauses realisiert hat, ist ein duesterer (Gefaengnis-)Ort, der gezielt die Schwebe haelt zwischen den Innenraeumen finsterer Keller-Psychatrie und der Aussenansicht archaischer Monumentalarchitektur, die bessere Zeiten gesehen hat. Die Vorgeschichte wird praesent, durch einige roetliche Bodenplatten, durch die umgekippte Zinkwanne, in der Agamemnon die toedliche Hiebe erhielt und unter der Elektra das Beil vergraben, nein: begraben hat.
Elektra ist das dunkle Buendel im hinteren Eck, das sich erst langsam aus seiner Embryohaltung schaelt, in einem weinworten Gewand (aussagestarke Kostueme: Gesine Finder), das schlagartig das Drama der Vater-Tochter enthuellt. Sie traegt das Pyjameroberteil Agamemnons, darunter ein grobes Hemd und kurze Hosen, die man mehr und mehr als Liebestoeter begreift. Chrysothemis in ihrem gelb unterlegten, jungfraeulichen weissen Kleid hingegen suggeriert die schamhaft freudige Erwartung eines ganz normalen Frauenlebens. Den grellen Kontrapunkt setzt Klytaemnestra, die quaelend langsam die Treppen heruntersteigt: geschminkt, behaengt und tiefen Ausschnitts enthuellt sie selbstbewusst ihre offen ausgelebte Erotik.
Die 3 Schauspielerinnen folgen mit grossem Koennen einer fesselnden und konzentrierten Charakterisierungschoregraphie. Birgit Franz laesst ihnen die notwendige Zeit, Bruchstueck um Bruchstueck das spezifische Frauenschicksal zu offenbaren und bringt dabei das grosse Kunststueck fertig, wider mancher Rollenklischees verblueffende Wahrheiten an den Tag zu fördern. Klytämnestra ist eben nicht nur dekadent, grausam und widerlich, sondern ein kraft-, macht- und geheimnissvolle Frau, die trotz oder gerade wegen ihres magischen Wesens vor Angst bebt. Helga Heberkern-Tietz schafft virtuos diese Gradwanderung zwischen Taeter und Opfer, zwischen Unterdrueckerin und Unterdrueckte; schon ihre stimmliche Nuancen vergegenwaertigen alles, was in diesem Thriller steckt. Alexandra Ackermann als Chrysothemis meistert den ueberraschenden Wandel vom vorsichtig braven Jungmaedchen zur entschieden handelnden Frau sehr glaubhaft. Ute Zink schliesslich ist eine Tragoedin, deren flackernden Blick man nicht so schnell vergisst. Ihre Elektra ist wahrhaft dem Hass ausgeliefert; ihre Bewegungen lassen einen Hospitalismus erkennen, der sie eher mit Kspar Hauser verschwistert als mit beruehmten Fallstudien der Sigmund Freud. Letztere werden hier ganz nebenbei als Maennerphantasien geoutet, die einem Menschen - ob maskulin oder feminin - eben nicht vollauf gerecht werden.

Monika Beer

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Sonja Kohak
Grow 06/001