HAEHNCHENHOLOCAUST

kaum mehr als ein Monat
hab ich um zu Leben Zeit
dann, meinst Du Mensch bin ich bereit
zu stillen Deine Gefraessigkeit
und kaum gelegt
besiegelt Ihr mein Schicksal
bestimmst Du meinen Weg

ein Brutkasten war mein Entbindungssaal
und mit vielen Gleichgesinnten erlebte ich die selbe Qual
die Geburt hat meine ganze Energie verbraucht
denn mehr als zehn Stunden hab ich gebraucht
mich durchzubeissen, bis die Schale ab war
hab gerufen, doch meine Mama war nicht da
allein auf mich gestellt und mein Wille zu leben
gab mir die Kraft dies mitzumachen
und den Mut zu ueberleben - denn
kuenstlich war das Licht, was ich als erstes erblickte
so auch mein Lebensraum, in das Du Mensch mich schickte
auf ein Laufband gestellt, wurden wir sortiert
und wer nicht stark genug war wurde aussortiert
und ist schon als Kueken krepiert
vor fuenfunddreissig Tagen hab ich all das noch nicht kapiert
denn

kaum mehr als ein Monat
hab ich um zu Leben Zeit
dann, meinst Du Mensch bin ich bereit
zu stillen Deine Gefraessigkeit
und kaum gelegt
besiegelt Ihr mein Schicksal
bestimmst Du meinen Weg

gestapelt zu vielen in Kisten
trampelte so mancher seinen Bruder tot
doch ich hab es geschafft
denn ich ass meines Bruders Kot
war zu hungrig, konnt` nicht warten
bis ich das erste mal was zu essen bekam
weil man uns erst mal mit auf eine lange Reise nahm
eine grosse Halle wurde unser neues zu Hause
von nun an lebte ich in Saus und braus - e
zu Essen gab es in Ueberfluss und zuzunehmen war ein Muss
doch nie hab ich die Sonne gesehen
ich hoerte nur wie die Menschen von reden
und ich begann mich nach ihr zu sehnen
ich glaub, Du Mensch hast dein Respekt vor uns vergessen
für Euch zaehlt doch nur eins – maesten, maesten, maesten
und so vertrieb ich mir meine stete Traurigkeit mit essen
denn

kaum mehr als ein Monat
hab ich um zu Leben Zeit
dann, meinst Du Mensch bin ich bereit
zu stillen Deine Gefraessigkeit
und kaum gelegt
besiegelt Ihr mein Schicksal
bestimmst Du meinen Weg

das massgebende Gewicht erreicht
reichte man uns als Ware fort
ein Schlachthaus wurde all unser Bestimmungsort
und es riecht fuer mich nach Mord dort
weil unsere Todesschreie nicht zu ertragen sind
habt Ihr das Licht in blau gedimmt
glaubt Ihr wirklich das wir blind sind?
fast wie hypnotisiert nahmt Ihr uns dann
und haengtet uns kopfueber an ein Laufband rann
nun haeng ich hier, verkehrt rum und halb benommen
ich hab keine Wahl, es gibt fuer mich kein Entkommen
denn als naechstes werd ich in elektrisches Wasser getaucht
das nimmt auch mir zum Schluss mein letzten Lebenshauch
um dann ausgenommen und noch schoen frisiert
gekocht oder gebraten, Dir serviert
und appetitlich garniert ende ich als Haehnchenplatte
bei jedem Bissen denkt an das ich kein ehrbares Leben hatte
denn

kaum mehr als ein Monat
hab ich um zu Leben Zeit
dann, meinst Du Mensch bin ich bereit
zu stillen Deine Gefraessigkeit
und kaum gelegt
besiegelt Ihr mein Schicksal
bestimmst Du meinen Weg


AcH dU MEInE LIeBE
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CAnDLeLIgHT
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