vom hirtenjunge und dem wolf oder kabale und lebensdiebe:
„ein hirtenjunge brüllte aus langer weile „wolf, ein wolf“, als die dorfleute zur hilfe eilten, bemerkten die schnell das dies ein fehlalarm war und gingen wieder, fort an rief hin und wieder der hirtenjunge wenn ihm langweilig war „wolf, ein wolf“, doch jedesmal wenn die dorfleute zur hilfe eilten wurden sie immer wieder nur fehlalarme ausgesetzt, eines tages trug es sich zu das der wolf „wirklich“ kam und als der hirtenjunge „wolf, ein wolf“ schrie eilte ihm keiner mehr zur hilfe, laut aussagen nahm die dorfgemeinschaft die hilferufe nicht mehr ernst und so konnte der wolf angeblich die ganze schafherde nebst hirtenjungen reißen.“

die oberflächliche moral der fabel ist:
„wer einmal lügt den glaubt man nicht und wenn er auch die wahrheit spricht“

doch was sagt die dorfgemeinschaft, also hinz und kunz dazu:

Hinz: „jedesmal wenn der hirtenjunge „wolf“ schrie, bekam ich angst, anfangs nahm ich meine heugabel, bald hab ich mir aber ein gewehr zugelegt“
Kunz: „ja, mir gings nicht anders, nun, mit der zeit wußte ich nicht mehr ob ich den hilferuf ernst nehmen soll“
Hinz: „stimmt, doch auch beim letzten hilferuf war ich mir nicht sicher, auch da bekam ichs mit der angst zu tun, immerhin könnte der wolf ja auch mich und meine familie reißen“
Kunz: „und als wir wieder zur hilfe eilen wollten rannte die frau vom dorfvorsteher auf dem dorfplatz und schrie „das ist wieder eine lüge, eine lüge!“
Hinz: „sie meinte ihr mann sei schon unterwegs um nachzuschauen, da bin ich dann wieder nach hause gegangen“
Kunz: „später kam der dorfvosteher und brüllte aufgebracht „alle tod, alle tod“, klar das wir uns aufmachten um uns am wolf zu rächen“
Chronist: „das hat mir keiner erzählt“

also wie ergings dem wolf?
hier die geschichte aus seiner sicht:

kurz und knapp, der wolf lebte ein zurückgezogenes leben in den tiefen der wälder, es kam ihm nicht im sinn in die nähe der menschen zu kommen, immerhin haben die bestien seine mutter getötet, also blieb ihm nichts anderes übrig in den tiefen dunklen wald sein leben zu fristen, hin und wieder verirrte sich ein krankes oder altes reh, oder ein blinder hase kam des wegs, die bitteten ihm sie von ihren leiden zu erlösen, doch eines tages wurde er aus sein mittagsschläfchen gerissen, lautes näherkommendes gebrüll drang an sein ohr, 'das können nur menschen sein' dachte er und gewarnt rannte er los, doch so sehr er auch rannte das gebrüll riss nicht ab, irgendwann brach er erschöpft zusammen, als er hilflos und entkräftet dalag schossen die menschen auf ihn, sie stachen mit ihren mistgabeln auf den wolf ein und zerfetzten ihn mit sicheln und äxten, es war ein gemetzel

Hinz: „der wolf war tod!“
der tote hirtenjunge: „hätt ich gewußt das ich sterben muß wär ich nicht drauf eingegangen!“
Kunz: „wie bitte?“
der tote hirtenjunge: „ja wie solltet ihr auch wissen, eines tages kam der dorfvorsteher zu mir und meinte das ich es doch leid sein müsste tag ein tag aus nur schafe sehen zu bekommen, und ehrlich auf dauer macht das wirklich blöd, er machte mir ein angebot, wenn ich alle 3 bis 4 tage „wolf, ein wolf“ rufen tät bekäm ich für jeden ruf ein gulden, ich dachte mir wenn ich dies eine zeit lang tät könnt ich mein beruf am nagel hängen und mich auf wanderschaft begeben, also schlug ich ein, fortan rief ich alle 3 – 4 tage „wolf, ein wolf“ und mein sparstrumpf füllte sich, und irgendwie war es ja auch witzig als ihr jedesmal bis unter den zähnen bewaffnet ankamt, nur am letzten tag, als ich „wolf, ein wolf“ rief, hörte ich nicht euer aufgebrachtes geschrei, stattdessen kam der dorfvorsteher und kaum des ich ihm fragen konnte was los sei hatte er mich erstochen, er nahm mein leichnam, legte den auf den leithammel und führte die herde fort“
Hinz: „und ich hab mich noch gewundert wieso auf der wiesn keine spuren vom riesengemetzel sei, doch der dorfvorsteher meinte, der wolf war so gefräßig das der den hirtenjungen und die schafe bis aufs letzte haar auffraß, er hats mit eignen augen gesehen, beteuerte er“
Kunz: „und ich hab heut noch angst das ein wolf kommt wenn ich ein schaf seh!“

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